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Entstehungsgeschichte der App

Früheste Phase

Unsere App hat eine lange Entstehungsgeschichte, welche in die 1990er-Jahre zurückreicht. Sie war als erstes CD-ROM-Multimediaprojekt des Diederichs-Verlags (welcher gleichzeitig Herausgeber der Wilhelm-Edition ist) gemeinsam mit dem Data Becker-Verlag angedacht. Jedoch war das Projekt noch seiner Zeit voraus; das Denken in Media-Projekten stand noch ganz am Anfang. Wenige Jahre zuvor hatte Adrian Stahel für die Eranos-Stiftung ein Datenmodell entwickelt, welches wir beinahe 1:1 in die vorliegende neue Auflage übernehmen konnten, ebenso wie die Ideen vieler Funktionen.

Die letzten 2-3 Jahre

Mit der russischen Softwareentwicklungs-Firma Edison erarbeitete Adrian Stahel erst im Alleingang einen App-Prototypen. Bald darauf kam Amando Zanetti, der Sohn eines Freundes, hinzu, welcher die Digitalisierung der Wilhelm- und Baynes-Werke und deren Übertragung in eine Datenbankstruktur mit hoher Präzision übernahm. Stahel wusste, dass er für ein umfangreiches Projekt wie dieses weitere Digitalisierungs- und technisch begabte Kräfte brauchte; so wandte er sich an die Sinologie-Abteilung der Universität Zürich und deren Vorsteher, Prof. Wolfgang Behr. Obwohl Behr das Interesse der Studierenden an einem attraktiven und flexiblen Nebenerwerb wie diesem erst stark unterschätzte, leitete er Stahels Anfrage an den damaligen Sinologie-Studenten Arthur Fritzsche weiter, der sich bei früheren Gelegenheiten schon als zugleich China- und technikinteressiert hervorgetan hatte. Fritzsche übertrug das klassische Werk von James Legge in die Datenbankstruktur und koordinierte bald mit Begeisterung die Arbeit einer grösseren Gruppe von Studierenden aus der Universität und ETH Zürich.

Interface-Design

Fritzsche setzte sich für ein möglichst modernes Interface-Design der App ein, welches bald in der noch unveröffentlichten Version 2.x der App realisiert wurde. Was als reines Interface-Redesign von einer Schwarzweiss- zu einer modernen Benutzeroberfläche geplant war, stellte sich jedoch als deutlich aufwändiger als erwartet heraus. Grosse Teile des Programmcodes mussten neu geschrieben werden, und die Entwicklungsdauer verlängerte sich dadurch.

Fritzsche und Liliane Krüsi erstellten gemeinsam einen attraktiven Web-Auftritt für die neu gegründete Yi Jing GmbH, welcher dem App-Design nachgebildet ist: Mit chinesischem Rot und chinesischem Goldgelb als dominanten Farben, sowie mit chinesischen Ideogramm-Bezeichnungen aller 64 Hexagramme in kalligraphischer Schrift in vertikalen Schriftbändern als Verzierungselement.

Die Digitalisierungsarbeit

Wie an anderen Stellen in dieser Website erwähnt, dient die Übertragung der Bücher-Texte in eine feste Datenstruktur dem Zweck, die Bücher besser vergleichbar zu machen. Für jedes zu erfassende Werk ist ein(-e) Editor(-in) verantwortlich, der/die die Struktur der Yi Jing-Texte kennen muss. Fritzsche und Stahel halfen den Editoren mit Tabellen und Quervergleichen mit dem chinesischen Yi Jing-Originaltext dabei, die Buchabschnitte korrekt zu identifizieren und in der Datenbank unterzubringen. Für die Datenbank-Eingabe wird ein speziell an die Yi Jing-Datenbankstruktur angepasstes Datenbank-Tool verwendet. Die Editoren sind auch über die Publikation der von ihnen bearbeiteten Werke hinaus für deren Richtigkeit zuständig.

Die Qualität der Arbeit der Editoren war durchwegs hoch, und Deadlines wurden in aller Regel eingehalten. Insbesondere auch die Digitalisierung einer russischen Wilhelm-Übersetzung durch Ilya Stepanov und des chinesischen Yi Jing-Werkes von Yang & Zhang durch Shengrong Zhou waren umfangreiche Projekte, die hohen Qualitätsstandards genügen.

Das Einholen von Copyrights

Unsere Bibliothek enthält bewusst verschiedene aussergewöhnliche Werke von besonderem Interesse für Kenner des Yi Jing. So liess Fritzsche auf Stahels Initiative den Originaltext des wohl ersten Yi Jing-Werkes aus dem Westen, das «Y-King» von Jean-Baptiste Régis, einem französischen jesuitischen Missionaren, der im 17. und 18. Jahrhundert für längere Zeit in China lebte, von der Österreichischen Nationalbibliothek photographieren und lizenzieren, worauf der lateinische Text mit der ABBYY FineReader OCR-Software erkannt und von den Editoren Nicolò Bernardi und später vor allem Caroline Stettler in mühsamer Kleinarbeit von den meisten Fehlern befreit wurde.

Weitere Copyrights holte Stahel von den Autoren und Verlagen mit Erfolg ein, diverse andere Anfragen sind noch pendent.

Zusammenarbeit mit der Softwareentwicklungs-Firma

Die Zusammenarbeit mit dem Programmierer-Team der russischen Firma Edison in West-Sibirien war angenehm. Während der meisten Zeit arbeiteten zwei Programmierer an der Entwicklung der App, geleitet von einem souveränen Chief Technology Officer. Zugute kam der Kommunikation zwischen uns, dass es zur Politik des Unternehmens gehörte, seine russischen Programmierer von der Firma bezahlte Englischkurse besuchen zu lassen, wodurch diese eine sehr hohe sprachliche Kompetenz erreichten.

Gegen Ende der Entwicklungszeit haben wir zudem gelernt, öfter mit dem Entwicklungsteam via Skype zu kommunizieren statt fast alles auf Textbasis abzuwickeln. Vor allem beim eiligen Schreiben von Kommentaren und Kurznachrichten können viele falsche Annahmen und Missverständnisse entstehen, die sich im Laufe der Kommunikation weiter aufbauen können, was bei einem mündlichen Austausch mit der einfachen Möglichkeit, Fragen und Gegenfragen zu stellen, viel eher ausgeschlossen ist.

Die Intensität des Austauschs zwischen den “westlichen” und “östlichen” Teams belegt auch eine Zahl: Innert zwei Jahren wurden bereits über 12’000 E-Mail-Nachrichten zwischen und innerhalb der Teams versandt.

 

Von Arthur Fritzsche (Content-Koordinator) am 20. Juli 2020

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